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E-Learning neu denken mit Google Glass?

Ganz nüchtern heißt es bei Wikipedia: „Google Glass ist der Markenname eines am Kopf getragenen Miniaturcomputers. Er ist auf einem Brillenrahmen montiert und blendet Informationen in das Sichtfeld ein (=Head-Up-Display). Diese Informationen können kombiniert werden mit dem aufgenommenen Bild, das eine in Blickrichtung des Trägers integrierte Digitalkamera live liefert. Dazu können Daten aus dem Internet unmittelbar bezogen und versendet werden.“

Schematische Darstellung von Google Glass (Quelle: Wikipedia)

Schematische Darstellung von Google Glass (Quelle: Wikipedia)

Ganz unnüchtern betrachtet, scheint mir Google Glass tatsächlich das nächste „big thing“ zu sein, das unser aller Alltag und damit auch unsere Lernprozesse und damit auch das E-Learning ähnlich umwälzen könnte, wie das Aufkommen der Smartphones. Warum?

Per Kopfnicken, Sprachsteuerung oder Touchpad am rechten Brillenbügel kann ich über einen kleinen Bildschirm Texte, Informationen, Bilder und Filme unmittelbar aus dem Netz abrufen. Gleichzeitig kann ich mit Google Glass selbst Bilder oder Filme produzieren oder andere Nutzer live an meinen Erlebnissen teilhaben lassen.

Laut Testpersonen ist das Display vergleichbar mit einem Monitor mit ca. 60 cm Bildschirmdiagonale, der sich in etwa zwei Metern Entfernung vor dem Auge befindet. Die Tester empfanden das Gestell und die Einblendung als nicht störend. Ähnlich einem Brillenträger, der ja die Umrandung der Gläser auch nicht bewusst wahrnimmt. Besonders bemerkenswert erscheint mir auch die Tonübertragung, die über den Schädelknochen erfolgt. Kopfhörer sind demnach überflüssig.

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Foto: Antonio Zugaldia (Wikipedia)

Um einen ersten Eindruck über die Features der Datenbrille zu erhalten, empfehle ich dieses How-to-Video von Google.

Doch wie könnte Google Glass das Lernen bereichern? Welche Anwendungen sind denkbar?

Lernen mit Google Glass:

  • Teilhabe per Video: In einem beispielhaften Promotion-Video besucht ein Physiklehrer, der als Online-Dozent lehrt, das Forschungszentrum CERN in der Schweiz. Er trägt die Google Glass Brille und seine Studenten folgen ihm weltweit von ihren heimischen PCs aus. Gleichzeitig erläutert er die Dinge, die er während der Exkursion erklärt bekommt. Ohne aufwendige Kameraausrüstung kann der Dozent gleichzeitig auf ihre Fragen sofort reagieren und sie beispielsweise an den CERN-Mitarbeiter übermitteln. Als Lernender kann ich so grundsätzlich Situationen quasi durch die Augen einer Person erleben, die wesentlich mehr Erfahrung auf diesem Gebiet besitzt. Ich begleite den Experten und lerne synchron mit seinen oder ihren Handlungen.
  • Museum: Als Museumsbesucher kann ich problemlos diverse Zusatzinformationen abrufen oder auch Fachleute kontaktieren. Gleichzeitig kann ich andere an meinem Lernerlebnis teilhaben lassen (s.o.).
  • Hände frei: Ich führe eine Reparatur durch z.B. den Austausch eines Wasserhahns. Meine Google Glass Brille spielt mir synchron die korrekten Handgriffe ein. Ich habe beide Hände frei und kann gleichzeitig per Sprachsteuerung die entsprechenden Informationen abrufen. Gleichzeitig erkennt das Anwenderprogramm fehlerhaft ausgeführte Handgriffe. Das heißt: Ich bekomme „Just-in-time“-Informationen. Oder ein Experte begleitet meine Handgriffe und gibt mir entsprechende Rückmeldung.
  • Vertrieb: Ich berate einen Kunden. Nachdem mir mein Kunde die Erlaubnis erteilt hat, nehme ich unser Gespräch auf. Fallen bestimmte Schlüsselwörter, bekomme ich über die Datenbrille bestimmte Zusatzinformationen eingespielt. Oder: Ich streame das Beratungsgespräch und werde dabei von einem Trainer begleitet und erhalte entsprechendes Feedback.
  • Sprache: Immer wenn mir danach ist, spiele ich mir zum Üben Vokabeln auf meinen virtuellen Bildschirm. Gleichzeitig kann ich mir in Echtzeit Übersetzungen anzeigen oder formulieren lassen.
  • Präsentation: Ohne großen Aufwand kann ich bei einer Präsentation zusätzliche Informationen aufrufen und dem Auditorium übermitteln.
  • Demenz: Mit Hilfe von Gesichtserkennungs-Apps bekommen Demenzerkrankte Informationen über das Gegenüber eingespielt. Die Datenbrille kann in einem bestimmten Zeitfenster der Erkrankung als „Gedächtnisstütze“ fungieren.
  • Sightseeing: Ich bewege mich durch eine unbekannte Gegend. Google Glass erkennt z.B. Bauwerke und spielt auf dem Display historische Informationen ein.

Diese kurze und sicherlich unvollständige Liste zeigt bereits das enorme Potential der Datenbrille auf.

Meine Vermutung: Spätestens in fünf Jahren gehören die Datenbrillen zum Standard-Repertoire und haben den Smartphones den Rang abgelaufen. Und dabei ist Google Glass vermutlich nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zu bio-mechanischen Computern wie z.B. Kontaktlinsendisplays…

Was denken Sie? Alles Science-Fiction? Oder besitzt Google Glass tatsächliches Potential als E-Learning Tool?

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Herr Raffzahn und Frau Ehrlich – Sollen Namen im E-Learning sprechen?

Welcher E-Learning Autor kennt  nicht die Verlockung mit bedeutungsvollen Namen Protagonist und Lerninhalt ganz besonders eng und eingängig miteinander zu verknüpfen? Da begegnet der Teilnehmer dann einer Liz Value und einem Kurt Champion, einem Kai Kompetent und einer Lara Taff.

Klar, man kennt diese Stilmittel aus der Literatur: in den Harry Potter Romanen finden wir Sirius Black, der für einen gefährlichen Mörder gehalten wird, tatsächlich jedoch auf Harrys Seite steht. Sein Name spiegelt diesen Gegensatz zwischen Gut und Böse wider: Sirius, der hellste Stern am Nachthimmel vereint mit Black, der Schwärze. Und Else Schweigestill ist in Thomas Manns Roman Doktor Faustus eine Bäuerin, die fast pausenlos redet. Und in Donald Ducks Universum ist Daniel Düsentrieb der wahrlich rastlose Tüftler und Erfinder.

Doch wie wirkt dieses Stilmittel im E-Learning? Regt es den Lerner zum Schmunzeln an, rollt er genervt mit den Augen? Fördert oder verhinderen sprechende Namen den Lernerfolg?

Nun, grundsätzlich schiebt sich mit dem Einsatz des sprechenden Namens der Autor in den Vordergrund. Denn der Teilnehmer erhält einen augenzwinkernden Hinweis (=der sprechende Name), mit dem der Autor etwas ganz besonders deutlich machen möchte. Erhobener Zeigefinger, ick hör dir trapsen!

Die Frage ist nun: Sind sprechende Namen erwachsenen Lernern zuzumuten? Darf ein wohlhabender Kunde in einem Finanztraining wirklich Dagobert Schmidt heißen? Und was ist von Karlchen Korrupt im Compliance-Training zu halten?

Nun, grundsätzlich sollten unsere Protagonisten in E-Learning Szenarien starke Namen tragen. Susi Schmidt ist atemberaubend einfallslos und zeugt von gedanklicher Faulheit.

Intelligente sprechende Namen, die möglicherweise noch eine ironische Brechung besitzen ( Stichwort: Else Schweigestill ist alles andere als still.), sind Bausteine einer qualitätvollen Lernstory und immer eine Überlegung wert. Bewusst gestaltete Namen steigern die Motivation der Lernenden. Sie spüren das Bemühen um Qualität, das sich in diesem Detail ausdrückt.

Meine These: Eine Fülle von exzellenten Details generiert ein exzellentes E-Learning Gesamtergebnis.

Konkret bedeutet dies beispielsweise: Ein schwierige Kundin könnte im E-Learning Szenario dann nicht Eva Schwierig sondern Ann Geneem heißen. Ein ungewöhnlicher Name, der sich im Lernerhirn verankert und den Lernstoff insgesamt besser abrufbar werden lässt.

Welche Beispiele für gelungene sprechende Namen in E-Learning Szenarios kennen Sie?

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Klatsch und Tratsch im E-Learning

Hast Du schon gehört …?

Klatsch und Tratsch im serösen E-Learning? Kann das funktionieren? Inspiriert von einem Blogbeitrag zu diesem Thema, habe ich verschiedene Szenarien als Prototypen entworfen. Doch zunächst fragt man sich: Was bringt´s? Wozu Klatsch und Tratsch verwenden? Was springt für den Lerner dabei heraus?

Nun, eine Studie hat ergeben, dass wir besonders aufmerksam werden, wenn über jemand anderes im weitesten Sinne gelästert, geratscht und getratscht wird:

„A study at Northeastern University in Boston showed that participants focus more on images of people about whom they’ve heard a negative or emotional story – and that this is an unconscious connection people make. “A gossip-schooled eye for bad eggs provides social protection, the researchers propose, by extending opportunities to scrutinize potential liars and cheats.” (in: http://www.kineo.com/elearning-tips/tip-58-dish-out-the-gossip.html).

Was könnte das für E-Learning Szenarien, für Lern-Settings überhaupt bedeuten?

Gossiphaltige Szenarien sind emotionaler und somit fesselnder und eingängiger, was sich positiv auf die Lernhaltung („Behaltensleistung“) auswirkt. Kurz gesagt: Man vergisst nicht so schnell!

Doch wie könnten nun diese Klatsch-und-Tratsch-Settings aussehen?

Drei Ideen:

1. Das Einstiegsszenario für eine Compliance-Schulung: Einige Kollegen unterhalten sich in der Teeküche über ihre neuesten Errungenschaften, Urlaubspläne etc. Unvermittelt kommt das Gespräch auf Frau S. aus dem Einkauf, die seit einiger Zeit einen auffällig luxuriösen Lebensstil pflegt. Stirnen werden gerunzelt. Augenbrauen hochgezogen. Lernthema: Ist dies nicht ein Indiz für Korruption?

2. Das Setting eines Präsentationstrainings: In der Mittagspause lästern einige Kollegen über die mangelhaften Präsentationskünste eines Vortragenden. Lernthema: Wie könnte man besser präsentieren?

3. Die Elemente einer Social Media Schulung: Einige Mitarbeiter mokieren sich über das Facebook-Profil eines Kollegen, der fragwürdige Bilder vom letzten Betriebsausflug in seinem Alben präsentiert. Lernthema: Was gehört in ein soziales Netzwerk und was nicht?

Was denken Sie: Hat Gossip in E-Learning Szenarios eine Chance? Und: Erhöht es tatsächlich die emotionale Bindung an den Lerninhalt, die Behaltensleistung? Lassen Sie uns tratschen. 😉

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Leitfigur oder Leidfigur im E-Learning Szenario…?

Gibt es den idealen E-Learning Protagonisten?

Unsere Grundannahme lautet: Die Lernenden lieben Storytelling. Sie mögen Geschichten. Geschichten fördern die Motivation, das Behalten, kurz gesagt: das Lernengagement!

Doch jede Story steht oder fällt, begeistert oder langweilt mit ihren Protagonisten. Wie gestalten Sie nun Ihre Figuren?

Mit wem lernt sich eigentlich besser? Wer motiviert besser? Wer wirkt nachhaltiger?

Sind Ihre Protagonisten vorbildhafte Helden oder hilfesuchende Looser? Leit- oder Leidfiguren?

Der vorbildhafte Held begegnet uns in der Regel eher im Lehrvideo. Er zeigt uns, wie es geht. Wie es gut und  richtig geht. Wie man zum Beispiel die neue Tonerkassette in den Kopierer schiebt. In diesem Sinne sind auch die Mehrzahl der Lehrvideos auf YouTube Heldenepen. Denn immer sehen wir, wie ein Problem gelöst wird. Nie gibt es Ausfälle. Dramen. Katastrophen. Der Held macht vor. Wir ahmen nach.

Spannender wird es, wenn unsere Figur nicht weiter weiß. Und lustiger (und nachhaltiger) wird es, wenn sie etwas total verbockt. Dann können wir den Lerner herausfordern und aktivieren: Wie funktioniert es richtig?

Machen Sie doch mal, lieber Lerner! Strengen Sie sich an. Lösen Sie das Problem, den Konflikt, in dem sich unsere Figur befindet.

Zeit für problemlösendes Denken. Zeit für Interaktion.

Meine These: Die Leid-Figur ist die bessere Wahl, da sie die Lernenden aktiviert! Die Leid-Figur spricht die Lerner emotional an, denn: Nobody is perfect. Die Lerner identifizieren sich mit dem unperfekten, aber sympathischen Mitarbeiter. Ergebnis: Sie haben die Aufmerksamkeit, Motivation, ja, das Engagement für Ihr E-Learning gewonnen!

Was denken Sie? Wer ermöglicht bessere Lerneffekte? Die Leitfigur? Oder die Leidfigur?

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Nur Superhelden im E-Learning?

Wie entwickelt man fesselnde (Leit)-Figuren im E-Learning?

Lernen in Szenarien. Lernen am Modell. Stichwörter, die auch Schlaglichter auf die Wege des interaktiven Storytellings werfen. Immer geht es um Wissenszuwachs, um Verhaltensänderung ausgelöst und angeregt durch quasi „vorbildhafte“ Leitfiguren, die im E-Learning stellvertretend für die Lernenden stehen.

Um hier die passenden Charaktere zu entwickeln, muss der Drehbuchautor die Zielgruppe und ihre Charakteristika sehr genau kennen. Denn sicher erhöht es die Lernbegeisterung, wenn sich der Lernende in einer Figur wiederfindet.

Doch wie gestalten wir diese Leitfigur?

Inwieweit soll und darf sie den wirklichen Menschen ähneln?

Inwieweit muss sie von den wirklichen Menschen abweichen, um eine gewisse intellektuelle Unruhe auszulösen, die das Lernen ermöglicht?

Welche (Charakter)-Züge sollte sie tragen, um möglichst intensiv zu wirken?

Was spricht die Lernenden besonders an? Und: Muss man hier z.B. nach dem Geschlecht oder der Generation differenzieren?

Steigen wir bei der Erschaffung unserer Leitfiguren so breit und tief ein wie bei der Personenanlage für ein klassisches (Film)-Drehbuch? Oder bleiben wir eher holzschnittartig? Und:Wie authentisch dürfen die Figuren sein?

Um nun der Leitfigur auf die Spur zu kommen, unterscheide ich zwischen Basis- und Komplexfragen, die ich der Person quasi „stelle“. Und mit der Beantwortung dieser Fragen schält sich dann der „Körper“ dieser Leitfigur heraus.

Beispielsweise lassen sich folgende Fragen stellen und beantworten:

1. Basisfragen

  • Mann oder Frau?
  • Wie heißt die Person? Spricht ihr Name (z.B. Frau Schlau oder Herr Raffke)?
  • Wie alt ist unsere Leitfigur?
  • Wie sieht sie aus? Was trägt sie?
  • Welche Position bekleidet sie im Unternehmen?
  • Welche Status vertritt sie in der Welt?

2. Komplexfragen (Einstellungen; emotionalle Disposition …):

  • Welche Werte besitzt unsere Person? Wie wichtig ist ihr beispielsweise der Job, die Work-Life-Balance?
  • Geht es ihr im Job eher um ein gutes  Einkommen oder die persönliche Selbstverwirklichung?
  • Ist sie sehr ehrgeizig?
  • Worüber kann sie lachen? Worüber macht sie Witze?
  • Was kann unsere Leitfigur besonders gut? Was sind ihre Stärken?

Fehlt noch nun etwas, um eine wirkliche Person abzubilden?

Ganz klar: Niemand ist perfekt. Mit ihren Fehlern und Schwächen wird unsere Leitfigur rund und eckig, also glaubhaft. Dabei beziehen sich diese Fehler und Schwächen nun auf den Lerninhalt, der vermittelt werden soll.

3. Die (didaktische) Lücke:

  • Was fällt unserer Leitfigur schwer?
  • Wo hat sie noch Lernbedarf?
  • Wann reagiert oder agiert sie falsch?

Werden unsere Leitfiguren mit diesen komplexen Fragestellungen unterfüttert, wirken sie auf den Lernenden eindringlicher, was wiederum die Lernerfahrung intensiviert und somit die Behaltensleistung verbessert.

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Storytelling mit Suspense

Spannendes, interaktives Storytelling im E-Learning – wie geht das?

Klar, spannendes Erzählen ist ein Mittel um die Aufmerksamkeit von Menschen zu bekommen und zu halten. Doch wie erzeuge ich diese Spannung?

Und: Kann ich Spannung auch beim interaktiven Storytelling im E-Learning Drehbuch aufbauen?

Jede interessante Geschichte folgt einer Spannungskurve. Mit der Einleitung steigt der Spannungsbogen nur langsam an. Hier werden die (Spannungs-)Verhältnisse unter den Protagonisten vorgestellt. Verwicklungen und Konflikte werden angelegt und entfalten sich nun. Dann nimmt die Story Fahrt auf,  strebt nun rasch dem dramatischen Höhepunkt entgegen.  Der Zuschauer ist gefesselt. Der Höhepunkt bringt die Auflösung. Die Spannung fällt ab. Wir lernen die „Moral von der Geschichte“.

Alfred Hitchcock sah im Suspense (engl. Gespanntheit), den Königsweg um Spannung zu erzeugen. Suspense bedeutet hier das schwebende Warten auf das Eintreffen eines Ereignisses.

Hitchcocks Beispiel: Wir sehen die brennende Zündschnur an einer Bombe unter dem Tisch, während sich über dem Tisch Menschen nichts ahnend unterhalten. Das ist Suspense pur! Der Zuschauer ist absolut fokussiert. Gespannt. Gebannt. Neugierig.

Wie kann ich als E-Learning Autor diese fokussierte, gespannte Aufmerksamkeit auch bei meinen WBTs erzeugen?

Meine Zutaten:

  • Sympathische Protagonisten („Helden“), mit denen sich die Lerner gerne identifizieren.
  • Unsympathische Antagonisten, Gegenspieler und Gegenkräfte, die den sympathischen Helden bedrohen. Wichtig: Diese „dunklen“ Kräfte können durchaus auch in unserem Helden liegen.
  • Der Konflikt zwischen Held und Gegenspieler mit der offenen Frage: Wie entwickelt sich das Drama? Ist der Held der Bedrohung oder der Verlockung gewachsen? Wie geht es aus? Tragödie oder Komödie?
  • Unsere Hoffnung zielt darauf ab, dass unser Held siegreich bleibt. Wird sich unsere Hoffnung bestätigen?

Dieses Setting birgt grundsätzlich höchstes Suspense-Potential.

Doch wie kommt jetzt der Lerner mit ins Spiel (!)?

Ganz klar, der Teilnehmer ist zunächst auf der Seite des Guten. Er oder sie unterstützt den Helden oder die Heldin. Und während er gebannt hilft, beschäftigt er sich intensiv mit dem Lerngegenstand, der quasi das Fundament unserer Lernstory bildet.

Besonders wichtig erscheint mir die Charakterisierung unserer Heldenfigur. Warum?

Nun, von ihm hängt es ab, inwieweit sich die Lernenden letztlich in die Geschichte hineinbewegen.

Wie würden Sie nun diese Figur konstruieren? Ist hier der Superheld die richtige Lösung? Begeistert er den Lerner und zieht ihn absolut in das Geschehen hinein? Oder sollte unser Protagonist andere Charaktereigenschaften aufweisen?

Meine These: Neben diversen Stärken sollte die Figur auch verschiedene Schwächen besitzen, um die Identifikation zu verstärken.

Doch wie sollten diese kleinen Schwächen aussehen?

Welche unrunden Eigenschaften würden Sie Ihren Figuren mit auf den interaktiven Lernweg geben?

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Konkret belebt!

Wie kann ich die Fachinhalte anschaulich und greifbar gestalten?

Mein Tipp:

Fragen Sie im Kickoff Meeting nach konkreten und realen Storys, die sich um die Lerninhalte ranken.

Rücken Sie dem Fachexperten durchaus auf die Pelle und kitzeln Sie die entscheidenden Storys heraus. Denn aus diesen einzigartigen Inhalten können Sie dann Ihre einzigartigen E-Learning Storys oder Interaktionen schnitzen. Die dann eben nicht von der Stange sind, sondern aufgrund ihrer Individualität fesseln und auch tatsächlich bei Ihren Lernern hängen bleiben.

Bohren Sie hartnäckig und ohne Scheu nach:

Wie verhalten sich Kunden konkret bei der Beratung?

Welches Verhalten stresst die Kollegen ganz besonders?

Hören Sie den Experten genau zu und nutzen Sie dessen Begriffe aus dem Alltag, um Ihre Drehbücher möglichst authentisch und realistisch klingen zu lassen.

Besonders hilfreich ist hier selbstverständlich das direkte Gespräch mit den Betroffenen z.B. den Servicemitarbeitern. Sie können Ihnen im Gespräch die Tonalität, die jeweilige Sprachfärbung vermitteln.

Denn ganz klar: Im Baumaschinenhandel wird anders formuliert als bei der Fondsberatung.

Wichtig dabei: Verlieren Sie nicht die Lernziele aus den Augen.

Denn, ja, es kann vorkommen, dass Sie die beste, einprägsamstes und lustigste Geschichte nicht in Ihrem Drehbuch verwenden können, da sie knapp an den Lernzielen vorbeischießt. Dann gilt: Notieren. Abspeichern. Und möglicherweise im nächsten Training modifiziert verwenden.

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Das Drama hinter der Richtlinie

Wie soll ich denn aus der neuen Anti-Korruptionsrichtlinie ein spannendes E-Learning Drehbuch zaubern?

Mein Tipp:

Treten Sie zunächst geistig einen Schritt zurück und überlegen: Warum wurde die neue Richtlinie überhaupt aufgelegt? Welche Story, welche möglicherweise dramatische Story steckt hinter der trockenen Richtlinie?
Ganz genau: Kollege Raffke trennte seinerzeit Berufs- und Privatleben nicht sauber, ließ sich von Kunden zu Urlauben einladen, nahm gerne auch Vorteile für seine Familienmitglieder an.

Hier steckt das Drama! Hier gilt es nachzuhaken und Storys zu entwickeln, die zeigen, dass die scheinbar dröge Richtlinie doch aus dem „prallen“ Leben entstanden ist. Also: Wie wurde Raffke zum Raffke in eigener Sache? Wie wurde er „verführt“? Und: Wie hätte er sich besser (=korrekt) verhalten können?

Für den E-Learning Autor bedeutet dies: Finde den Lebensfunken unter den Paragraphen! Und deine Lerner werden es dir danken.

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Opco 12: Beobachtungen zum Vortrag Dr. Igel: Lernen mit Mobile Apps

Wie lerne ich mit Apps?

Vor der Live Session mit Dr. Igel fragte ich mich: Was hast du durch/mit/von Apps gelernt?

Zunächst: Ich weiß jetzt, was Apps sind und wie man sie im Appstore bezieht. Ähnliche Lerneffekte zeigten sich übrigens auch bei meinen Kindern recht flott. Apps erleichtern das Leben. Apps unterhalten. Apps liefern mir Informationen, wenn ich unterwegs bin. Und da beginnt dann das „richtige“ Lernen: Wann wurde diese Burg errichtet? Wer war dieser Gelehrte? Kennst du den Vogel da?

Apps bereichern das Leben ungemein. Eine Weltbibliothek in der Hosentasche. Die Informationen, die ich über die Apps beziehe, können meinen Blick auf die Welt von einem auf den anderen Moment verändern.

Doch weg von den Apps, die den Alltag bereichern, informieren, Spaß machen hin zu den Lern Apps. Wie? Was? Dürfen Lernapps keinen Spaß machen, informieren und bereichern? Klar, das ist das hehre, didaktische Ziel.

Basteln Sie eine App? Schwieriges Unterfangen. Das App-Autorentool für den Pädagogen existiert wohl noch nicht. (Exkurs iPad: iBookauthor ist ein Programm, mit dem sich interaktive Lehrbücher am heimische Mac gestalten lassen, die man dann mit etwas administrativen Aufwand für das iPad nutzbar machen kann.)

Aber: Apps auf Smartphones könnten helfen den schulischen und universitären Unterricht mit der „wirklichen“ Welt zu verknüpfen, wenn die Teilnehmer z.B. Informationen während Exkursionen direkt beziehen bzw. einspeisen könnenk, sich vernetzen.

Was war bemerkenswert am Vortrag von Dr. Igel?

Klar, die zahlenmäßige Verbreitung von Apps im Allgemeinen hat mich überrascht. Natürlich auch die Idee der „Learning Cloud“ mit einer Million Teilnehmern bei einem Kurs. Doch Zahlen sind nicht alles. Wie steht es um die Qualität der Lernerfahrung bei solchen Massenevents? Wie kann hier beispielsweise das Lernen in Arbeitsgruppen funktionieren?

Was fiel auf im Chatbereich?

Offensichtlich gibt es in Schulen noch viele Restriktionen bzgl. Smartphones. Teilen Smartphones und Apps hier beispielsweise das Schicksal der Serious Games, die unter dem ambivalenten Image der Computerspiele leiden und immer wieder ihren didaktischen Mehrwert beweisen müssen?

Die Schlüsselfrage:

Dr. Igel stellt zum Schluss die entscheidende Frage: Welchen didaktischen Mehrwert bieten die Geräte bzw. die Apps? Hier ist die Qualität des Inhalts entscheidend. Als lehrende Organisation sollte man nicht nur dabei sein, weil es angesagt ist, sondern weil Mobile Learning den Lern- und Lehrhorizont erweitert.

Allgemeine Anmerkung zur Session:

Dr. Igel lieferte einen eindringlichen und engagierten Vortrag über sein Arbeitsgebiet. Schön, dass er sich nicht in unfruchtbarer Definitionshuberei verlor, sondern sehr konkret und anschaulich referierte.

Leider fehlte mir etwas der Bezug zum Horizon-Report. Hier merkte er nur an, dass er die Einschätzungen der Experten wohl als zu optimistisch einschätzt. Hier wünsche ich mir bei den folgenden Vorträgen einen stärkeren Bezug zum Report.

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OpenCourse 2012 oder: Welche Mensa überwacht mit RFID-Lesern ihr Geschirr?

Das ist ein Mikroblog. Wie? Was? Das ist doch nicht Twitter! Mikroblog im Sinne von: Begrenzt auf die Zeit des Opco 12 begleite ich kommentierend und nachdenkend die Veranstaltung.

Dabei beschäftigen mich einige Fragen.

Zunächst und grundlegend: Wo geht die Lernreise hin? Sitzen in 1, 5 oder 10 Jahren die Kinder allesamt mit iPads im Klassenraum?

Oder hat sich der klassische Lernverband längst aufgelöst und Homeschooling wurde zum preisgünstigen Standard?

Besonders neugierig bin ich auf konkrete Beispiele:

Wer nutzt Apps und Tabletts wirklich im Seminar, der Vorlesung? Wie kann Gamebased Learning an den Universitäten eingesetzt werden? Wie nutzen wir gestenbasiertes Computing bei der Sportlehrerausbildung? Und: Welche Mensa überwacht mit RFID-Lesern ihr Geschirr?

Wie verändern die neuen Techniken das Lernen? Lernen wir kreativer, abwechslungsreicher? Festigen sich die Inhalte schneller, einfacher, besser? Oder sparen wir einfach nur Zeit, wenn wir Apps statt Büchern nutzen? Und: Hält unser Gehirn da noch mit? Oder braucht es nicht immer Zeiten, um Neues zu verarbeiten, einzusortieren etc.?

Wie technikaffin sind eigentlich die einzelnen Fachbereiche?

Nun, ich erhoffe mir Antworten auf diese Fragen. Ich wünsche mir Inspiration. Ich wünsche allen eine anregende Session.

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