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Best practice: Thanksgiving im Jahr 2049 und der Klimawandel – eine Mouseclick-Interaktion

Was zeichnet eigentlich eine gelungene E-Learning-Interaktion aus? Eine Interaktion, bei der Inhalt und Form so zusammenwirken, dass sie bei den Betrachtern den bestmöglichen Lerneffekt erzielen?
Auf der Website des englischen Guardian fand sich diese Woche unter der Überschrift „Thanksgiving of the future: how climate change could transform our food“ eine solche gelungene Interaktion. Unser Beispiel, eine klassische Mouseclick-Interaktion, vermittelt anschaulich und eingängig die Folgen einer möglichen Erderwärmung im Alltag.

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Screenshot

Was beeindruckt nun an dieser Interaktion formal und inhaltlich?
1. Aufbau:
Die Vogelperspektive ist ungewöhnlich und überrascht. Der Betrachter identifiziert sich mit der am Tisch sitzenden Person und wird so quasi in das Thema „hineingesogen“. Gleichzeitig vermittelt der symetrische Bildaufbau Ruhe und Stabilität nach dem Motto: Was wir euch hier zeigen, das ist solide, glaubhaft und hat Hand und Fuß. So transportiert die Grafik Vertrauen in die Inhalte. Der Bildaufbau dient der inhaltlichen Botschaft.
2. Farbgebung:
Die Farbe der Tischplatte ist ein echter Hingucker. Die Hotspots in roter Farbe bieten dazu einen starken Kontrast und lenken so die Aufmerksamkeit des Betrachters. Rot ist allerdings Warn- und Signalfarbe. Inhaltlich passend, aber vielleicht nicht die einladendste Farbe, um aktiv zu werden, d. h. anzuklicken. Das weiße Kreuz auf den roten Buttons lässt Assoziationen zum Roten-Kreuz aufkommen. Möglicherweise wäre hier ein Fragezeichen die bessere Wahl gewesen.
3. Fooddesign:
Die Speisen sind der modernen Küche angepasst sehr reduziert dargeboten. Der Truthahn (auf einem Drahtgeflecht?) dominiert. Insgesamt wirkt die Anordnung leicht ironisierend, behaglich geht anders. Wäre aber auch dem Thema nicht angemessen.
4. Emotion:
Als kleine Gags fungieren die beiden Kakteen. Sie verstärken die inhaltliche Aussage, ohne gleich die Alarmismus-Keule zu schwingen wie es zum Beispiel der Fall wäre, wenn der Tischhintergrund aus rissigem, vertrocknetem Erdboden bestünde. Diese humorvollen Einsprengsel sprechen die Betrachter emotional an und laden bei aller Ernsthaftigkeit zum Schmunzeln ein, was ja auch den Lerneffekt steigert, wie ich in einem anderen Blogpost (Humor – der Kickstarter für jedes E-Learning?!) ausführte.
5. Text:
Nach Klick auf die Hotspots öffnen sich jeweils Layer, die sich über die gesamte Fläche legen. Die Layer stehen visuell in starkem Kontrast zur Ausgangsgrafik. Hier dominiert kühles Blau und Weiß. Das jeweilige Nahrungsmittel wird skizziert, um den textlastigen Layer aufzulockern. Hier schließt sich auch ein Kritikpunkt an: Der Text ist wenig gegliedert. Als reiner Fließtext kommt er eher unstrukturiert daher, setzt zu wenige Schwerpunkte. Fettungen und Bulletpoints könnten die Übersichtlichkeit steigern.

 

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Screenshot

Fazit:
Die Interaktion ist ein durchaus gelungenes Beispiel, das zeigt, wie ein komplexer Sachverhalt auf die Alltagsebene heruntergebrochen werden kann. Interessante und überraschende visuelle Lösungen erfreuen die Betrachter und motivieren, sich mit den Inhalten zu beschäftigen. Form und Inhalt bilden ein harmonisches Ganzes. E-Learning, wie es sein sollte. Was denken Sie?
Neben der Redakteurin war die Londoner Agentur Nice and Serious an der Erstellung beteiligt.

P. S.: Nur was hat es mit dem seltsamen Besteck auf sich?

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Leitfigur oder Leidfigur im E-Learning Szenario…?

Gibt es den idealen E-Learning Protagonisten?

Unsere Grundannahme lautet: Die Lernenden lieben Storytelling. Sie mögen Geschichten. Geschichten fördern die Motivation, das Behalten, kurz gesagt: das Lernengagement!

Doch jede Story steht oder fällt, begeistert oder langweilt mit ihren Protagonisten. Wie gestalten Sie nun Ihre Figuren?

Mit wem lernt sich eigentlich besser? Wer motiviert besser? Wer wirkt nachhaltiger?

Sind Ihre Protagonisten vorbildhafte Helden oder hilfesuchende Looser? Leit- oder Leidfiguren?

Der vorbildhafte Held begegnet uns in der Regel eher im Lehrvideo. Er zeigt uns, wie es geht. Wie es gut und  richtig geht. Wie man zum Beispiel die neue Tonerkassette in den Kopierer schiebt. In diesem Sinne sind auch die Mehrzahl der Lehrvideos auf YouTube Heldenepen. Denn immer sehen wir, wie ein Problem gelöst wird. Nie gibt es Ausfälle. Dramen. Katastrophen. Der Held macht vor. Wir ahmen nach.

Spannender wird es, wenn unsere Figur nicht weiter weiß. Und lustiger (und nachhaltiger) wird es, wenn sie etwas total verbockt. Dann können wir den Lerner herausfordern und aktivieren: Wie funktioniert es richtig?

Machen Sie doch mal, lieber Lerner! Strengen Sie sich an. Lösen Sie das Problem, den Konflikt, in dem sich unsere Figur befindet.

Zeit für problemlösendes Denken. Zeit für Interaktion.

Meine These: Die Leid-Figur ist die bessere Wahl, da sie die Lernenden aktiviert! Die Leid-Figur spricht die Lerner emotional an, denn: Nobody is perfect. Die Lerner identifizieren sich mit dem unperfekten, aber sympathischen Mitarbeiter. Ergebnis: Sie haben die Aufmerksamkeit, Motivation, ja, das Engagement für Ihr E-Learning gewonnen!

Was denken Sie? Wer ermöglicht bessere Lerneffekte? Die Leitfigur? Oder die Leidfigur?

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