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„Liest Du noch oder japst Du schon?“ – Klare Sprache im E-Learning (2/3)

wordcloud_leichte_spracheSie wollen leicht, einfach und klar schreiben. Wie geht sie nun, diese Sprache?

Grundsätzlich lassen sich drei Formen unterscheiden:

  1. Die Leichte Sprache ersetzt Fremdwörter und Fachbegriffe, ist äußerst reduziert.
  2. Ein wissenschaftliches Projekt wie „Touchdown21“ kommt nicht ohne Fachbegriffe aus. Deshalb nutzt es die Klare Sprache.
  3. Und für Menschen mit geringen Deutschkenntnissen gibt es außerdem noch die Einfache Sprache. Die ist wiederum anspruchsvoller als die Leichte Sprache.

Und so schreiben Sie, grob vereinfacht und verkürzt, leicht und klar:

  • Schreiben Sie kurze Sätze.
  • Folgen Sie der Regel: 1 Satz = 1 Information
  • Erklären Sie komplizierte Wörter und Abkürzungen.
  • Trennen Sie sehr lange Wörter mit Bindestrichen.

Auf der Homepage des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales finden Sie den Ratgeber “Leichte Sprache” zum Download. Der Ratgeber umfasst 128 Seiten. Er ist selbstverständlich selbst in Leichter Sprache verfasst. Er enthält eine Fülle von Tipps und Hinweisen zu den Bereichen: Wörter, Zahlen, Zeichen, Sätze, Texte, Gestaltung, Bilder und Prüfen. Zu Letzterem heißt es:

“Prüfen ist für Leichte Sprache sehr wichtig. Prüfen gehört zur Leichten Sprache. Das Prüfen machen Menschen mit Lern-Schwierigkeiten. Nur sie können sagen, ob ein Text leicht genug ist.”

Welche Schlussfolgerungen lassen sich nun für den E-Learning Kontext ableiten?

  1. Die SME (Subject Matter Expert/Fachliche Ansprechpartner für ein Thema) müssen sich allgemein verständlich ausdrücken. Bis es jeder Lerner versteht.
  2. Die Autoren müssen einfach, klar und verständlich schreiben.
  3. Prüfer (= Mitglieder der Lerngruppe) sollten die E-Learning-Texte checken und Feedback geben: Das verstehen wir. Das verstehen wir nicht.
  4. Den Fragen und Hinweisen der Prüfer entsprechend müssen die Texte angepasst werden. Bis sie verständlich sind.

Zwischenfrage: Lohnt sich der Aufwand denn?

Wie Clark und Mayer (2011) betonen und auch wissenschaftlich belegen, lernen wir besser, wenn die Sprache unserer E-Learning-Module informell, persönlich und natürlich ist.

Ich behaupte:

Mit Autoren und Fachexperten, die um die Regeln der Leichten/Klaren/Einfachen Sprache wissen, lässt sich dieser positive Lerneffekt weiter steigern.

Oder führt dies zu einer Verflachung der Themen und Inhalte? Denn klar ist auch: Für Zwischentöne oder Ironie eignet sich die Klare Sprache nicht. Was denken Sie?

Im nächsten Blog-Post stelle ich Ihnen Unternehmen vor, die diese Sprachformen nutzen, um Ihre Kunden besser zu erreichen.

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Das „Sensory Fiction“-Buch – Gadget oder Lernwerkzeug?

Steht das „Sensory Fiction“-Buch für die Zukunft des Lesens und damit auch des interaktiven Lehr- und Lernbuchs? Oder ist es nur eine Spielerei?

Doch zunächst: Worum geht es überhaupt?

Studenten des renomierten MIT Media Lab (Massachusetts Institute of Technology) haben ein Mitfühl-Buch entwickelt, das dem Lesenden hautnah (!) die Emotionen eines Storyhelden vermittelt. Wie funktioniert nun dieses Gerät?

Quelle: MIT Media Lab

Vor dem Lesevergnügen schnalle ich mir eine Art Mitfühl-Weste um. Diese Weste ist mit verschiedenen Elementen wie Kompressionskissen, Wärmeplatten und Vibrationsmotoren ausgestattet.  Zusätzlich unterstützen visuelle und akustische Signale im Einband das Leseerlebnis.

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Quelle: MIT Lab

Der Held hat Angst? Die Luftkissen dehnen sich aus und vermitteln das Gefühl der Beklemmung. Die Heldin ist außer Atem? Die Vibrationsmotoren simulieren verstärkten Herzschlag.  Der Held ist verliebt? Die Wärmeplatten heizen sich auf.

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Quelle: MIT Lab

Das „Sensory Fiction“-Buch hilft dem Leser, die Gefühle des Helden nachzuempfinden.

Ja, aber reicht denn dazu die Vorstellungskraft nicht aus? Müssen wir uns dazu verkabeln? Wer braucht so etwas?

Hmm, zunächst einmal dürfte die Anwendung ziemlich Spaß bereiten! Man stelle sich beispielsweise ein Quidditch-Match vor, bei dem einem via Mitfühl-Weste Harrys und R0ns Emotionen zusätzlich körperlich vermittelt werden.

Doch möglicherweise bietet das „Sensory Fiction“-Buch nicht nur ein gesteigertes, taktiles Leseerlebnis, sondern eröffnet auch im E-Learning-Kontext ungeahnte Möglichkeiten.

Stellen wir uns ein interaktives „Sensory Fiction“-Buch vor, wie es bei einer Softskill-Schulung zum Thema „Empathie“ eingesetzt werden könnte.

Setting 1: Mitarbeitergespräch

Unser Lerner, hier z. B. die  Führungskraft Anna B., trägt die Mitfühl-Weste und liest gleichzeitig das interaktive „Sensory Fiction“-Buch. Dort befindet sie sich gerade in einem virtuellen Mitarbeitergespräch, in dem sie einem virtuellen Gegenüber das entsprechende Feedback geben soll. Anna B. hat nun verschiedene Antwortmöglichkeiten. Jede dieser Antworten löst bei ihrem virtuellen Gegenüber unterschiedliche Emotionen aus.

Mittels der Mitfühl-Weste erfährt Anna B. nun unmittelbar, welche Emotionen bzw. Körperreaktionen ihre Worte bei dem virtuellen Mitarbeiter auslösen, was er oder sie also gerade empfinden wie zum Beispiel Freude oder auch  Angst. Anna B. erfährt so ganz unmittelbar auf körperlicher Ebene, was ihre jeweiligen Worte auslösen.

Und der Lerneffekt? Anna B. lernt, die mögliche Wirkung ihrer Worte besser einzuschätzen und zu wählen. Sie denkt über die Wirkung ihrer Worte nach und steigert und verbessert so ihre Empathiefähigkeit! Dies stärkt wiederum ihre soziale und emotionale Kompetenz!

Setting 2: Verkaufsverhandlung

Ähnliches ist auch für eine Verkaufsschulung denkbar: Wie reagiert mein virtueller Kunde auf meine Aussage? Was fühlt er? Stimmen seine Worte und Gefühle überhaupt überein? Erhalte ich z. B. verbal freundliche Antwort, die ganz und gar nicht mit dem körperlichen Reaktionen übereinstimmen. Als Lerner wird mir die Diskrepanz zwischen Worten und der wirklichen Stimmungslage so bewusster.

Fazit: Wirken das „Sensory Fiction“-Buch und die Mitfühl-Weste auf den ersten Blick wie ein lustiges Gadget, erscheinen sie bei genauerer Betrachtung als ein durchaus faszinierendes Tool, das mannigfaltige Lernprozesse in Gang setzen kann.

Und was denkt ihr/denken Sie über das „Sensory Fiction“-Buch? Welche weiteren Lernmöglichkeiten könnte es eröffnen?

Ich freue mich auf euer/ Ihr Feedback!

 

Einen ersten Eindruck vermittelt übrigens dieses Video:

http://vimeo.com/84412874

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E-Learning neu denken mit Google Glass?

Ganz nüchtern heißt es bei Wikipedia: „Google Glass ist der Markenname eines am Kopf getragenen Miniaturcomputers. Er ist auf einem Brillenrahmen montiert und blendet Informationen in das Sichtfeld ein (=Head-Up-Display). Diese Informationen können kombiniert werden mit dem aufgenommenen Bild, das eine in Blickrichtung des Trägers integrierte Digitalkamera live liefert. Dazu können Daten aus dem Internet unmittelbar bezogen und versendet werden.“

Schematische Darstellung von Google Glass (Quelle: Wikipedia)

Schematische Darstellung von Google Glass (Quelle: Wikipedia)

Ganz unnüchtern betrachtet, scheint mir Google Glass tatsächlich das nächste „big thing“ zu sein, das unser aller Alltag und damit auch unsere Lernprozesse und damit auch das E-Learning ähnlich umwälzen könnte, wie das Aufkommen der Smartphones. Warum?

Per Kopfnicken, Sprachsteuerung oder Touchpad am rechten Brillenbügel kann ich über einen kleinen Bildschirm Texte, Informationen, Bilder und Filme unmittelbar aus dem Netz abrufen. Gleichzeitig kann ich mit Google Glass selbst Bilder oder Filme produzieren oder andere Nutzer live an meinen Erlebnissen teilhaben lassen.

Laut Testpersonen ist das Display vergleichbar mit einem Monitor mit ca. 60 cm Bildschirmdiagonale, der sich in etwa zwei Metern Entfernung vor dem Auge befindet. Die Tester empfanden das Gestell und die Einblendung als nicht störend. Ähnlich einem Brillenträger, der ja die Umrandung der Gläser auch nicht bewusst wahrnimmt. Besonders bemerkenswert erscheint mir auch die Tonübertragung, die über den Schädelknochen erfolgt. Kopfhörer sind demnach überflüssig.

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Foto: Antonio Zugaldia (Wikipedia)

Um einen ersten Eindruck über die Features der Datenbrille zu erhalten, empfehle ich dieses How-to-Video von Google.

Doch wie könnte Google Glass das Lernen bereichern? Welche Anwendungen sind denkbar?

Lernen mit Google Glass:

  • Teilhabe per Video: In einem beispielhaften Promotion-Video besucht ein Physiklehrer, der als Online-Dozent lehrt, das Forschungszentrum CERN in der Schweiz. Er trägt die Google Glass Brille und seine Studenten folgen ihm weltweit von ihren heimischen PCs aus. Gleichzeitig erläutert er die Dinge, die er während der Exkursion erklärt bekommt. Ohne aufwendige Kameraausrüstung kann der Dozent gleichzeitig auf ihre Fragen sofort reagieren und sie beispielsweise an den CERN-Mitarbeiter übermitteln. Als Lernender kann ich so grundsätzlich Situationen quasi durch die Augen einer Person erleben, die wesentlich mehr Erfahrung auf diesem Gebiet besitzt. Ich begleite den Experten und lerne synchron mit seinen oder ihren Handlungen.
  • Museum: Als Museumsbesucher kann ich problemlos diverse Zusatzinformationen abrufen oder auch Fachleute kontaktieren. Gleichzeitig kann ich andere an meinem Lernerlebnis teilhaben lassen (s.o.).
  • Hände frei: Ich führe eine Reparatur durch z.B. den Austausch eines Wasserhahns. Meine Google Glass Brille spielt mir synchron die korrekten Handgriffe ein. Ich habe beide Hände frei und kann gleichzeitig per Sprachsteuerung die entsprechenden Informationen abrufen. Gleichzeitig erkennt das Anwenderprogramm fehlerhaft ausgeführte Handgriffe. Das heißt: Ich bekomme „Just-in-time“-Informationen. Oder ein Experte begleitet meine Handgriffe und gibt mir entsprechende Rückmeldung.
  • Vertrieb: Ich berate einen Kunden. Nachdem mir mein Kunde die Erlaubnis erteilt hat, nehme ich unser Gespräch auf. Fallen bestimmte Schlüsselwörter, bekomme ich über die Datenbrille bestimmte Zusatzinformationen eingespielt. Oder: Ich streame das Beratungsgespräch und werde dabei von einem Trainer begleitet und erhalte entsprechendes Feedback.
  • Sprache: Immer wenn mir danach ist, spiele ich mir zum Üben Vokabeln auf meinen virtuellen Bildschirm. Gleichzeitig kann ich mir in Echtzeit Übersetzungen anzeigen oder formulieren lassen.
  • Präsentation: Ohne großen Aufwand kann ich bei einer Präsentation zusätzliche Informationen aufrufen und dem Auditorium übermitteln.
  • Demenz: Mit Hilfe von Gesichtserkennungs-Apps bekommen Demenzerkrankte Informationen über das Gegenüber eingespielt. Die Datenbrille kann in einem bestimmten Zeitfenster der Erkrankung als „Gedächtnisstütze“ fungieren.
  • Sightseeing: Ich bewege mich durch eine unbekannte Gegend. Google Glass erkennt z.B. Bauwerke und spielt auf dem Display historische Informationen ein.

Diese kurze und sicherlich unvollständige Liste zeigt bereits das enorme Potential der Datenbrille auf.

Meine Vermutung: Spätestens in fünf Jahren gehören die Datenbrillen zum Standard-Repertoire und haben den Smartphones den Rang abgelaufen. Und dabei ist Google Glass vermutlich nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zu bio-mechanischen Computern wie z.B. Kontaktlinsendisplays…

Was denken Sie? Alles Science-Fiction? Oder besitzt Google Glass tatsächliches Potential als E-Learning Tool?

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Humor – der Kickstarter für jedes E-Learning?!

Meine These: Besäße jedes E-Learning alle drei Minuten ein humorvolles Einsprengsel – die Beliebtheit der Online-Trainings würde sich signifikant erhöhen! Lernen mit Humor bedeutet Lernen in einer anregenden, fruchtbaren und stressfreien Atmosphäre.

Wie dies funktioniert, beschreibt und belegt Zak Stambor schon 2006 in seinem Artikel „How laughing leads to learning für die American Psychological Association.

Nur: Wie bekomme ich den Humor in die E-Learnings? Wie konzipiere, schreibe und designe ich lustig? Ich behaupte: Humor ist ein Handwerk, dass sich erlernen lässt. Aber wie bei jedem Handwerk ist noch kein Meister vom Himmel geplumpst. Will sagen: Humor ist Arbeit und kostet Blut, Schweiß und Tränen. Ah, dieser Hinweis auf die extreme Anstrengung ist das nicht…? Ja! Das ist eine Übertreibung. Und Übertreibung ist ein Merkmal von Humor, Comedy, Witz, Spaß usw.!

Okay, nutzen wir zunächst das Stilmittel Übertreibung als Humordoping für ein E-Learning Projekt. Ein Training zum Thema Social Media steht an. Unser Lernziel: Die Teilnehmer sollen für den Umgang mit verschiedenen Social Media Plattformen sensibilisiert werden. Für den Anfang versuchen wir uns an einer einfachen Single Choice Aufgabe:

„Sie sind mit ihrem Kollegen Max auch auf verschiedenen Social Media Plattformen vernetzt. Eines Tages entdecken Sie folgendes Bild auf Ihrer gemeinsamen Social Media Plattform. Wie reagieren Sie, wenn Sie Max das nächste Mal in der Teeküche treffen?“

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Variante 1:

  • „Max, da hast du ja ein wildes Bild auf deine Seite gestellt. Muss eine tolle Party gewesen sein“, erkläre ich.
  • „Ich denke das Bild auf deiner Seite ist für ein öffentliches Netzwerk ungeeignet“, ermahne ich ihn.
  • Ich übergehe das Bild und spreche mit ihm über sein aktuelles Projekt.

Variante 2:

  • „Ey, Max, schade, dass die Gogo-Girls nicht mit auf dem Bild sind!“, necke ich ihn.
  • Ich ignoriere das Bild und spreche mit ihm über die Portoerhöhung der Post für Briefsendungen bis 20 Gramm.
  • „Du solltest beim nächsten Mal den „Rote-Auge-Filter“ nutzen“, ermahne ich ihn augenzwinkernd.
  • „Warum war ich eigentlich nicht  eingeladen?“, spiele ich den Empörten.
  • „Hey, das sieht nach einer richtig guten Party aus. Ich frage mich nur, ob die ganze Welt dich so sehen sollte?“ eröffne ich das Gespräch.

Im anschließenden Feedback bekommt der Teilnehmer dann Empfehlungen, wie er mit sehr privaten Aufnahmen in sozialen Netzwerken umgehen sollte, um seiner Reputation keinen unnötigen Schaden zuzufügen.

Zurück zum Thema: Welche Fragenvariante erzeugt mehr gute (Lern-)Laune bei den Teilnehmern? Nun, ich denke, dass Variante 2 mit den leicht übertriebenen Fragen die Schmunzelvariante ist und insofern die nachhaltigeren Lerneffekte bewirkt.

Ach, ja. Und natürlich funktioniert das Stilmittel Übertreibung auch ohne Worte:

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Lesetipp:

Um ein Gespür für das Stilmittel der Übertreibung zu bekommen, lohnt sich als Einstieg zum Beispiel die Lektüre der köstlichen Reiseliteratur von Bill Bryson.

Was denken Sie: Sollte Humor im E-Learning eine Chance erhalten?

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Klatsch und Tratsch im E-Learning

Hast Du schon gehört …?

Klatsch und Tratsch im serösen E-Learning? Kann das funktionieren? Inspiriert von einem Blogbeitrag zu diesem Thema, habe ich verschiedene Szenarien als Prototypen entworfen. Doch zunächst fragt man sich: Was bringt´s? Wozu Klatsch und Tratsch verwenden? Was springt für den Lerner dabei heraus?

Nun, eine Studie hat ergeben, dass wir besonders aufmerksam werden, wenn über jemand anderes im weitesten Sinne gelästert, geratscht und getratscht wird:

„A study at Northeastern University in Boston showed that participants focus more on images of people about whom they’ve heard a negative or emotional story – and that this is an unconscious connection people make. “A gossip-schooled eye for bad eggs provides social protection, the researchers propose, by extending opportunities to scrutinize potential liars and cheats.” (in: http://www.kineo.com/elearning-tips/tip-58-dish-out-the-gossip.html).

Was könnte das für E-Learning Szenarien, für Lern-Settings überhaupt bedeuten?

Gossiphaltige Szenarien sind emotionaler und somit fesselnder und eingängiger, was sich positiv auf die Lernhaltung („Behaltensleistung“) auswirkt. Kurz gesagt: Man vergisst nicht so schnell!

Doch wie könnten nun diese Klatsch-und-Tratsch-Settings aussehen?

Drei Ideen:

1. Das Einstiegsszenario für eine Compliance-Schulung: Einige Kollegen unterhalten sich in der Teeküche über ihre neuesten Errungenschaften, Urlaubspläne etc. Unvermittelt kommt das Gespräch auf Frau S. aus dem Einkauf, die seit einiger Zeit einen auffällig luxuriösen Lebensstil pflegt. Stirnen werden gerunzelt. Augenbrauen hochgezogen. Lernthema: Ist dies nicht ein Indiz für Korruption?

2. Das Setting eines Präsentationstrainings: In der Mittagspause lästern einige Kollegen über die mangelhaften Präsentationskünste eines Vortragenden. Lernthema: Wie könnte man besser präsentieren?

3. Die Elemente einer Social Media Schulung: Einige Mitarbeiter mokieren sich über das Facebook-Profil eines Kollegen, der fragwürdige Bilder vom letzten Betriebsausflug in seinem Alben präsentiert. Lernthema: Was gehört in ein soziales Netzwerk und was nicht?

Was denken Sie: Hat Gossip in E-Learning Szenarios eine Chance? Und: Erhöht es tatsächlich die emotionale Bindung an den Lerninhalt, die Behaltensleistung? Lassen Sie uns tratschen. 😉

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Storytelling mit Suspense

Spannendes, interaktives Storytelling im E-Learning – wie geht das?

Klar, spannendes Erzählen ist ein Mittel um die Aufmerksamkeit von Menschen zu bekommen und zu halten. Doch wie erzeuge ich diese Spannung?

Und: Kann ich Spannung auch beim interaktiven Storytelling im E-Learning Drehbuch aufbauen?

Jede interessante Geschichte folgt einer Spannungskurve. Mit der Einleitung steigt der Spannungsbogen nur langsam an. Hier werden die (Spannungs-)Verhältnisse unter den Protagonisten vorgestellt. Verwicklungen und Konflikte werden angelegt und entfalten sich nun. Dann nimmt die Story Fahrt auf,  strebt nun rasch dem dramatischen Höhepunkt entgegen.  Der Zuschauer ist gefesselt. Der Höhepunkt bringt die Auflösung. Die Spannung fällt ab. Wir lernen die „Moral von der Geschichte“.

Alfred Hitchcock sah im Suspense (engl. Gespanntheit), den Königsweg um Spannung zu erzeugen. Suspense bedeutet hier das schwebende Warten auf das Eintreffen eines Ereignisses.

Hitchcocks Beispiel: Wir sehen die brennende Zündschnur an einer Bombe unter dem Tisch, während sich über dem Tisch Menschen nichts ahnend unterhalten. Das ist Suspense pur! Der Zuschauer ist absolut fokussiert. Gespannt. Gebannt. Neugierig.

Wie kann ich als E-Learning Autor diese fokussierte, gespannte Aufmerksamkeit auch bei meinen WBTs erzeugen?

Meine Zutaten:

  • Sympathische Protagonisten („Helden“), mit denen sich die Lerner gerne identifizieren.
  • Unsympathische Antagonisten, Gegenspieler und Gegenkräfte, die den sympathischen Helden bedrohen. Wichtig: Diese „dunklen“ Kräfte können durchaus auch in unserem Helden liegen.
  • Der Konflikt zwischen Held und Gegenspieler mit der offenen Frage: Wie entwickelt sich das Drama? Ist der Held der Bedrohung oder der Verlockung gewachsen? Wie geht es aus? Tragödie oder Komödie?
  • Unsere Hoffnung zielt darauf ab, dass unser Held siegreich bleibt. Wird sich unsere Hoffnung bestätigen?

Dieses Setting birgt grundsätzlich höchstes Suspense-Potential.

Doch wie kommt jetzt der Lerner mit ins Spiel (!)?

Ganz klar, der Teilnehmer ist zunächst auf der Seite des Guten. Er oder sie unterstützt den Helden oder die Heldin. Und während er gebannt hilft, beschäftigt er sich intensiv mit dem Lerngegenstand, der quasi das Fundament unserer Lernstory bildet.

Besonders wichtig erscheint mir die Charakterisierung unserer Heldenfigur. Warum?

Nun, von ihm hängt es ab, inwieweit sich die Lernenden letztlich in die Geschichte hineinbewegen.

Wie würden Sie nun diese Figur konstruieren? Ist hier der Superheld die richtige Lösung? Begeistert er den Lerner und zieht ihn absolut in das Geschehen hinein? Oder sollte unser Protagonist andere Charaktereigenschaften aufweisen?

Meine These: Neben diversen Stärken sollte die Figur auch verschiedene Schwächen besitzen, um die Identifikation zu verstärken.

Doch wie sollten diese kleinen Schwächen aussehen?

Welche unrunden Eigenschaften würden Sie Ihren Figuren mit auf den interaktiven Lernweg geben?

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Konkret belebt!

Wie kann ich die Fachinhalte anschaulich und greifbar gestalten?

Mein Tipp:

Fragen Sie im Kickoff Meeting nach konkreten und realen Storys, die sich um die Lerninhalte ranken.

Rücken Sie dem Fachexperten durchaus auf die Pelle und kitzeln Sie die entscheidenden Storys heraus. Denn aus diesen einzigartigen Inhalten können Sie dann Ihre einzigartigen E-Learning Storys oder Interaktionen schnitzen. Die dann eben nicht von der Stange sind, sondern aufgrund ihrer Individualität fesseln und auch tatsächlich bei Ihren Lernern hängen bleiben.

Bohren Sie hartnäckig und ohne Scheu nach:

Wie verhalten sich Kunden konkret bei der Beratung?

Welches Verhalten stresst die Kollegen ganz besonders?

Hören Sie den Experten genau zu und nutzen Sie dessen Begriffe aus dem Alltag, um Ihre Drehbücher möglichst authentisch und realistisch klingen zu lassen.

Besonders hilfreich ist hier selbstverständlich das direkte Gespräch mit den Betroffenen z.B. den Servicemitarbeitern. Sie können Ihnen im Gespräch die Tonalität, die jeweilige Sprachfärbung vermitteln.

Denn ganz klar: Im Baumaschinenhandel wird anders formuliert als bei der Fondsberatung.

Wichtig dabei: Verlieren Sie nicht die Lernziele aus den Augen.

Denn, ja, es kann vorkommen, dass Sie die beste, einprägsamstes und lustigste Geschichte nicht in Ihrem Drehbuch verwenden können, da sie knapp an den Lernzielen vorbeischießt. Dann gilt: Notieren. Abspeichern. Und möglicherweise im nächsten Training modifiziert verwenden.

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