Macht uns lehren glücklich?
Die Frage geht ans Eingemachte. Denken wir an die Lehrfiguren in unserem Leben. Kindergarten. Schule. Ausbildung. Hochschule. Sportverein. Malkurs. Fahrschule.
Waren die Lehrenden glücklich? Strahlten sie, weil sie uns etwas beibringen durften? Freute sich die Lehrkraft, wenn wir, die Lernenden, etwas verstanden haben?
Wissenschaftlich betrachtet ist Lehren ein komplexer Balanceakt für unser hormonelles Belohnungssystem. Die folgenden Faktoren entscheiden über Glück und Unglück bei der Lehre.
Glücksbooster 1: Das „Helper’s High“
Wenn wir Wissen vermitteln und bemerken, dass es beim Gegenüber „Klick“ macht, schüttet unser Gehirn einen Hormoncocktail aus Oxytocin (Bindung) und Serotonin (Zufriedenheit/Status) aus. Der Effekt: Wir haben das Gefühl gebraucht zu werden und sind „sozial wirksam“. Dieses Empfinden der Selbstwirksamkeit ist einer der stärksten Glücksfaktoren.
Glücksbooster 2: Der Resonanz-Moment
Lehren kann ein hochgradig empathischer Prozess sein. Bei einem erfolgreichen Miteinander erleben Lehrende und Lernende ein Gefühl der Synchronisation, eine Art positiven Gleichklangs, der möglicherweise durch die sogenannten Spiegelneuronen befeuert wird. Als lehrende Personen können wir den „Aha-Moment“ unserer Lernenden nachempfinden. Ihr Lernerfolg fühlt sich an, als wäre es unser eigener.
Glücksbooster 3: Flow durch Exzellenz
Gute Didaktik verlangt von uns volle Konzentration. Wir wägen die Inhalte ab, reagieren auf Rückfragen und passen gegebenenfalls unsere Methode an. Wenn wir in diesem Prozess aufgehen, dann befinden wir uns im Flow, den der Psychologe Mihály Csíkszentmihályi als echtes Glückempfinden beschreibt.
Wir vergessen alles um uns herum. Das passiert, wenn eine (Lehr-)Aufgabe uns weder unterfordert (langweilt) noch überfordert (stresst), sondern perfekt zu unseren Fähigkeiten passt.

Aber Vorsicht: Lehren löst nicht automatisch eine Party im Gehirn. Lehren kann leider auch unglücklich machen. Denn wer lehrt, muss beispielsweise oft eigene Emotionen unterdrücken oder sich zur Empathie zwingen.
Das heißt, wir müssen eine Menge Gefühlsarbeit leisten, um (positive) Resonanz zu erhalten. Das stresst, ermüdet und nervt. Und wenn wir zu viel von dieser Gefühlsarbeit leisten müssen, um beispielsweise eine unmotivierte Lerngruppe mitzuziehen, flutet das Stresshormon Cortisol unser Gehirn.
Bleibt also die soziale Resonanz durch die Lernenden aus, führt das nicht zu Glücksgefühlen, sondern zu emotionaler Leere und im schlimmsten Fall in ein Burnout.
Lehren macht also dann glücklich, wenn es als Dialog stattfindet. Die Glücksmomente scheinen für uns in der Verbindung, im Lehr-Lern-Gespräch zu liegen – nicht im frontalen Dozieren, ohne wirklichen Kontakt zu den Lernenden.
Was bedeutet das nun das für das Lernen mit einem KI-Chatbot? Kann es da „Klick“ machen? Glauben die Lernenden der gefakten Resonanz? Fühlen sie sich trotzdem glücklich?
Und: Was passiert mit dem lehrenden Chatbot? Hat der nicht auch ein Recht auf Resonanz und etwas Glück? 😉
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