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Nur Superhelden im E-Learning?

Wie entwickelt man fesselnde (Leit)-Figuren im E-Learning?

Lernen in Szenarien. Lernen am Modell. Stichwörter, die auch Schlaglichter auf die Wege des interaktiven Storytellings werfen. Immer geht es um Wissenszuwachs, um Verhaltensänderung ausgelöst und angeregt durch quasi „vorbildhafte“ Leitfiguren, die im E-Learning stellvertretend für die Lernenden stehen.

Um hier die passenden Charaktere zu entwickeln, muss der Drehbuchautor die Zielgruppe und ihre Charakteristika sehr genau kennen. Denn sicher erhöht es die Lernbegeisterung, wenn sich der Lernende in einer Figur wiederfindet.

Doch wie gestalten wir diese Leitfigur?

Inwieweit soll und darf sie den wirklichen Menschen ähneln?

Inwieweit muss sie von den wirklichen Menschen abweichen, um eine gewisse intellektuelle Unruhe auszulösen, die das Lernen ermöglicht?

Welche (Charakter)-Züge sollte sie tragen, um möglichst intensiv zu wirken?

Was spricht die Lernenden besonders an? Und: Muss man hier z.B. nach dem Geschlecht oder der Generation differenzieren?

Steigen wir bei der Erschaffung unserer Leitfiguren so breit und tief ein wie bei der Personenanlage für ein klassisches (Film)-Drehbuch? Oder bleiben wir eher holzschnittartig? Und:Wie authentisch dürfen die Figuren sein?

Um nun der Leitfigur auf die Spur zu kommen, unterscheide ich zwischen Basis- und Komplexfragen, die ich der Person quasi „stelle“. Und mit der Beantwortung dieser Fragen schält sich dann der „Körper“ dieser Leitfigur heraus.

Beispielsweise lassen sich folgende Fragen stellen und beantworten:

1. Basisfragen

  • Mann oder Frau?
  • Wie heißt die Person? Spricht ihr Name (z.B. Frau Schlau oder Herr Raffke)?
  • Wie alt ist unsere Leitfigur?
  • Wie sieht sie aus? Was trägt sie?
  • Welche Position bekleidet sie im Unternehmen?
  • Welche Status vertritt sie in der Welt?

2. Komplexfragen (Einstellungen; emotionalle Disposition …):

  • Welche Werte besitzt unsere Person? Wie wichtig ist ihr beispielsweise der Job, die Work-Life-Balance?
  • Geht es ihr im Job eher um ein gutes  Einkommen oder die persönliche Selbstverwirklichung?
  • Ist sie sehr ehrgeizig?
  • Worüber kann sie lachen? Worüber macht sie Witze?
  • Was kann unsere Leitfigur besonders gut? Was sind ihre Stärken?

Fehlt noch nun etwas, um eine wirkliche Person abzubilden?

Ganz klar: Niemand ist perfekt. Mit ihren Fehlern und Schwächen wird unsere Leitfigur rund und eckig, also glaubhaft. Dabei beziehen sich diese Fehler und Schwächen nun auf den Lerninhalt, der vermittelt werden soll.

3. Die (didaktische) Lücke:

  • Was fällt unserer Leitfigur schwer?
  • Wo hat sie noch Lernbedarf?
  • Wann reagiert oder agiert sie falsch?

Werden unsere Leitfiguren mit diesen komplexen Fragestellungen unterfüttert, wirken sie auf den Lernenden eindringlicher, was wiederum die Lernerfahrung intensiviert und somit die Behaltensleistung verbessert.

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Storytelling mit Suspense

Spannendes, interaktives Storytelling im E-Learning – wie geht das?

Klar, spannendes Erzählen ist ein Mittel um die Aufmerksamkeit von Menschen zu bekommen und zu halten. Doch wie erzeuge ich diese Spannung?

Und: Kann ich Spannung auch beim interaktiven Storytelling im E-Learning Drehbuch aufbauen?

Jede interessante Geschichte folgt einer Spannungskurve. Mit der Einleitung steigt der Spannungsbogen nur langsam an. Hier werden die (Spannungs-)Verhältnisse unter den Protagonisten vorgestellt. Verwicklungen und Konflikte werden angelegt und entfalten sich nun. Dann nimmt die Story Fahrt auf,  strebt nun rasch dem dramatischen Höhepunkt entgegen.  Der Zuschauer ist gefesselt. Der Höhepunkt bringt die Auflösung. Die Spannung fällt ab. Wir lernen die „Moral von der Geschichte“.

Alfred Hitchcock sah im Suspense (engl. Gespanntheit), den Königsweg um Spannung zu erzeugen. Suspense bedeutet hier das schwebende Warten auf das Eintreffen eines Ereignisses.

Hitchcocks Beispiel: Wir sehen die brennende Zündschnur an einer Bombe unter dem Tisch, während sich über dem Tisch Menschen nichts ahnend unterhalten. Das ist Suspense pur! Der Zuschauer ist absolut fokussiert. Gespannt. Gebannt. Neugierig.

Wie kann ich als E-Learning Autor diese fokussierte, gespannte Aufmerksamkeit auch bei meinen WBTs erzeugen?

Meine Zutaten:

  • Sympathische Protagonisten („Helden“), mit denen sich die Lerner gerne identifizieren.
  • Unsympathische Antagonisten, Gegenspieler und Gegenkräfte, die den sympathischen Helden bedrohen. Wichtig: Diese „dunklen“ Kräfte können durchaus auch in unserem Helden liegen.
  • Der Konflikt zwischen Held und Gegenspieler mit der offenen Frage: Wie entwickelt sich das Drama? Ist der Held der Bedrohung oder der Verlockung gewachsen? Wie geht es aus? Tragödie oder Komödie?
  • Unsere Hoffnung zielt darauf ab, dass unser Held siegreich bleibt. Wird sich unsere Hoffnung bestätigen?

Dieses Setting birgt grundsätzlich höchstes Suspense-Potential.

Doch wie kommt jetzt der Lerner mit ins Spiel (!)?

Ganz klar, der Teilnehmer ist zunächst auf der Seite des Guten. Er oder sie unterstützt den Helden oder die Heldin. Und während er gebannt hilft, beschäftigt er sich intensiv mit dem Lerngegenstand, der quasi das Fundament unserer Lernstory bildet.

Besonders wichtig erscheint mir die Charakterisierung unserer Heldenfigur. Warum?

Nun, von ihm hängt es ab, inwieweit sich die Lernenden letztlich in die Geschichte hineinbewegen.

Wie würden Sie nun diese Figur konstruieren? Ist hier der Superheld die richtige Lösung? Begeistert er den Lerner und zieht ihn absolut in das Geschehen hinein? Oder sollte unser Protagonist andere Charaktereigenschaften aufweisen?

Meine These: Neben diversen Stärken sollte die Figur auch verschiedene Schwächen besitzen, um die Identifikation zu verstärken.

Doch wie sollten diese kleinen Schwächen aussehen?

Welche unrunden Eigenschaften würden Sie Ihren Figuren mit auf den interaktiven Lernweg geben?

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