Storytelling mit Suspense

Spannendes, interaktives Storytelling im E-Learning – wie geht das?

Klar, spannendes Erzählen ist ein Mittel um die Aufmerksamkeit von Menschen zu bekommen und zu halten. Doch wie erzeuge ich diese Spannung?

Und: Kann ich Spannung auch beim interaktiven Storytelling im E-Learning Drehbuch aufbauen?

Jede interessante Geschichte folgt einer Spannungskurve. Mit der Einleitung steigt der Spannungsbogen nur langsam an. Hier werden die (Spannungs-)Verhältnisse unter den Protagonisten vorgestellt. Verwicklungen und Konflikte werden angelegt und entfalten sich nun. Dann nimmt die Story Fahrt auf,  strebt nun rasch dem dramatischen Höhepunkt entgegen.  Der Zuschauer ist gefesselt. Der Höhepunkt bringt die Auflösung. Die Spannung fällt ab. Wir lernen die „Moral von der Geschichte“.

Alfred Hitchcock sah im Suspense (engl. Gespanntheit), den Königsweg um Spannung zu erzeugen. Suspense bedeutet hier das schwebende Warten auf das Eintreffen eines Ereignisses.

Hitchcocks Beispiel: Wir sehen die brennende Zündschnur an einer Bombe unter dem Tisch, während sich über dem Tisch Menschen nichts ahnend unterhalten. Das ist Suspense pur! Der Zuschauer ist absolut fokussiert. Gespannt. Gebannt. Neugierig.

Wie kann ich als E-Learning Autor diese fokussierte, gespannte Aufmerksamkeit auch bei meinen WBTs erzeugen?

Meine Zutaten:

  • Sympathische Protagonisten („Helden“), mit denen sich die Lerner gerne identifizieren.
  • Unsympathische Antagonisten, Gegenspieler und Gegenkräfte, die den sympathischen Helden bedrohen. Wichtig: Diese „dunklen“ Kräfte können durchaus auch in unserem Helden liegen.
  • Der Konflikt zwischen Held und Gegenspieler mit der offenen Frage: Wie entwickelt sich das Drama? Ist der Held der Bedrohung oder der Verlockung gewachsen? Wie geht es aus? Tragödie oder Komödie?
  • Unsere Hoffnung zielt darauf ab, dass unser Held siegreich bleibt. Wird sich unsere Hoffnung bestätigen?

Dieses Setting birgt grundsätzlich höchstes Suspense-Potential.

Doch wie kommt jetzt der Lerner mit ins Spiel (!)?

Ganz klar, der Teilnehmer ist zunächst auf der Seite des Guten. Er oder sie unterstützt den Helden oder die Heldin. Und während er gebannt hilft, beschäftigt er sich intensiv mit dem Lerngegenstand, der quasi das Fundament unserer Lernstory bildet.

Besonders wichtig erscheint mir die Charakterisierung unserer Heldenfigur. Warum?

Nun, von ihm hängt es ab, inwieweit sich die Lernenden letztlich in die Geschichte hineinbewegen.

Wie würden Sie nun diese Figur konstruieren? Ist hier der Superheld die richtige Lösung? Begeistert er den Lerner und zieht ihn absolut in das Geschehen hinein? Oder sollte unser Protagonist andere Charaktereigenschaften aufweisen?

Meine These: Neben diversen Stärken sollte die Figur auch verschiedene Schwächen besitzen, um die Identifikation zu verstärken.

Doch wie sollten diese kleinen Schwächen aussehen?

Welche unrunden Eigenschaften würden Sie Ihren Figuren mit auf den interaktiven Lernweg geben?

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Konkret belebt!

Wie kann ich die Fachinhalte anschaulich und greifbar gestalten?

Mein Tipp:

Fragen Sie im Kickoff Meeting nach konkreten und realen Storys, die sich um die Lerninhalte ranken.

Rücken Sie dem Fachexperten durchaus auf die Pelle und kitzeln Sie die entscheidenden Storys heraus. Denn aus diesen einzigartigen Inhalten können Sie dann Ihre einzigartigen E-Learning Storys oder Interaktionen schnitzen. Die dann eben nicht von der Stange sind, sondern aufgrund ihrer Individualität fesseln und auch tatsächlich bei Ihren Lernern hängen bleiben.

Bohren Sie hartnäckig und ohne Scheu nach:

Wie verhalten sich Kunden konkret bei der Beratung?

Welches Verhalten stresst die Kollegen ganz besonders?

Hören Sie den Experten genau zu und nutzen Sie dessen Begriffe aus dem Alltag, um Ihre Drehbücher möglichst authentisch und realistisch klingen zu lassen.

Besonders hilfreich ist hier selbstverständlich das direkte Gespräch mit den Betroffenen z.B. den Servicemitarbeitern. Sie können Ihnen im Gespräch die Tonalität, die jeweilige Sprachfärbung vermitteln.

Denn ganz klar: Im Baumaschinenhandel wird anders formuliert als bei der Fondsberatung.

Wichtig dabei: Verlieren Sie nicht die Lernziele aus den Augen.

Denn, ja, es kann vorkommen, dass Sie die beste, einprägsamstes und lustigste Geschichte nicht in Ihrem Drehbuch verwenden können, da sie knapp an den Lernzielen vorbeischießt. Dann gilt: Notieren. Abspeichern. Und möglicherweise im nächsten Training modifiziert verwenden.

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Das Drama hinter der Richtlinie

Wie soll ich denn aus der neuen Anti-Korruptionsrichtlinie ein spannendes E-Learning Drehbuch zaubern?

Mein Tipp:

Treten Sie zunächst geistig einen Schritt zurück und überlegen: Warum wurde die neue Richtlinie überhaupt aufgelegt? Welche Story, welche möglicherweise dramatische Story steckt hinter der trockenen Richtlinie?
Ganz genau: Kollege Raffke trennte seinerzeit Berufs- und Privatleben nicht sauber, ließ sich von Kunden zu Urlauben einladen, nahm gerne auch Vorteile für seine Familienmitglieder an.

Hier steckt das Drama! Hier gilt es nachzuhaken und Storys zu entwickeln, die zeigen, dass die scheinbar dröge Richtlinie doch aus dem „prallen“ Leben entstanden ist. Also: Wie wurde Raffke zum Raffke in eigener Sache? Wie wurde er „verführt“? Und: Wie hätte er sich besser (=korrekt) verhalten können?

Für den E-Learning Autor bedeutet dies: Finde den Lebensfunken unter den Paragraphen! Und deine Lerner werden es dir danken.

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Opco 12: Beobachtungen zum Vortrag Dr. Igel: Lernen mit Mobile Apps

Wie lerne ich mit Apps?

Vor der Live Session mit Dr. Igel fragte ich mich: Was hast du durch/mit/von Apps gelernt?

Zunächst: Ich weiß jetzt, was Apps sind und wie man sie im Appstore bezieht. Ähnliche Lerneffekte zeigten sich übrigens auch bei meinen Kindern recht flott. Apps erleichtern das Leben. Apps unterhalten. Apps liefern mir Informationen, wenn ich unterwegs bin. Und da beginnt dann das „richtige“ Lernen: Wann wurde diese Burg errichtet? Wer war dieser Gelehrte? Kennst du den Vogel da?

Apps bereichern das Leben ungemein. Eine Weltbibliothek in der Hosentasche. Die Informationen, die ich über die Apps beziehe, können meinen Blick auf die Welt von einem auf den anderen Moment verändern.

Doch weg von den Apps, die den Alltag bereichern, informieren, Spaß machen hin zu den Lern Apps. Wie? Was? Dürfen Lernapps keinen Spaß machen, informieren und bereichern? Klar, das ist das hehre, didaktische Ziel.

Basteln Sie eine App? Schwieriges Unterfangen. Das App-Autorentool für den Pädagogen existiert wohl noch nicht. (Exkurs iPad: iBookauthor ist ein Programm, mit dem sich interaktive Lehrbücher am heimische Mac gestalten lassen, die man dann mit etwas administrativen Aufwand für das iPad nutzbar machen kann.)

Aber: Apps auf Smartphones könnten helfen den schulischen und universitären Unterricht mit der „wirklichen“ Welt zu verknüpfen, wenn die Teilnehmer z.B. Informationen während Exkursionen direkt beziehen bzw. einspeisen könnenk, sich vernetzen.

Was war bemerkenswert am Vortrag von Dr. Igel?

Klar, die zahlenmäßige Verbreitung von Apps im Allgemeinen hat mich überrascht. Natürlich auch die Idee der „Learning Cloud“ mit einer Million Teilnehmern bei einem Kurs. Doch Zahlen sind nicht alles. Wie steht es um die Qualität der Lernerfahrung bei solchen Massenevents? Wie kann hier beispielsweise das Lernen in Arbeitsgruppen funktionieren?

Was fiel auf im Chatbereich?

Offensichtlich gibt es in Schulen noch viele Restriktionen bzgl. Smartphones. Teilen Smartphones und Apps hier beispielsweise das Schicksal der Serious Games, die unter dem ambivalenten Image der Computerspiele leiden und immer wieder ihren didaktischen Mehrwert beweisen müssen?

Die Schlüsselfrage:

Dr. Igel stellt zum Schluss die entscheidende Frage: Welchen didaktischen Mehrwert bieten die Geräte bzw. die Apps? Hier ist die Qualität des Inhalts entscheidend. Als lehrende Organisation sollte man nicht nur dabei sein, weil es angesagt ist, sondern weil Mobile Learning den Lern- und Lehrhorizont erweitert.

Allgemeine Anmerkung zur Session:

Dr. Igel lieferte einen eindringlichen und engagierten Vortrag über sein Arbeitsgebiet. Schön, dass er sich nicht in unfruchtbarer Definitionshuberei verlor, sondern sehr konkret und anschaulich referierte.

Leider fehlte mir etwas der Bezug zum Horizon-Report. Hier merkte er nur an, dass er die Einschätzungen der Experten wohl als zu optimistisch einschätzt. Hier wünsche ich mir bei den folgenden Vorträgen einen stärkeren Bezug zum Report.

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OpenCourse 2012 oder: Welche Mensa überwacht mit RFID-Lesern ihr Geschirr?

Das ist ein Mikroblog. Wie? Was? Das ist doch nicht Twitter! Mikroblog im Sinne von: Begrenzt auf die Zeit des Opco 12 begleite ich kommentierend und nachdenkend die Veranstaltung.

Dabei beschäftigen mich einige Fragen.

Zunächst und grundlegend: Wo geht die Lernreise hin? Sitzen in 1, 5 oder 10 Jahren die Kinder allesamt mit iPads im Klassenraum?

Oder hat sich der klassische Lernverband längst aufgelöst und Homeschooling wurde zum preisgünstigen Standard?

Besonders neugierig bin ich auf konkrete Beispiele:

Wer nutzt Apps und Tabletts wirklich im Seminar, der Vorlesung? Wie kann Gamebased Learning an den Universitäten eingesetzt werden? Wie nutzen wir gestenbasiertes Computing bei der Sportlehrerausbildung? Und: Welche Mensa überwacht mit RFID-Lesern ihr Geschirr?

Wie verändern die neuen Techniken das Lernen? Lernen wir kreativer, abwechslungsreicher? Festigen sich die Inhalte schneller, einfacher, besser? Oder sparen wir einfach nur Zeit, wenn wir Apps statt Büchern nutzen? Und: Hält unser Gehirn da noch mit? Oder braucht es nicht immer Zeiten, um Neues zu verarbeiten, einzusortieren etc.?

Wie technikaffin sind eigentlich die einzelnen Fachbereiche?

Nun, ich erhoffe mir Antworten auf diese Fragen. Ich wünsche mir Inspiration. Ich wünsche allen eine anregende Session.

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